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Geschichte

Die Geschichtsschreibung über das noch relativ junge Neuwiedenthal steht erst am Anfang. Einige engagierte Hobbyhistoriker – unter anderem in der Redaktion der Stadtteilzeitung Kreuz & Quer – sind dabei, die Ursprünge des Stadtteils zu erforschen. Sie haben schon so manches Wissenswerte entdeckt und sind auf schöne Anekdoten gestoßen.

Dörflicher Ursprung

Erstmals schriftlich erwähnt wurde das „Neu-Wiedenthal” um 1730. Damals veranlasste das Amt Harburg die Schaffung von vier Bauernstellen nördlich von Alt-Wiedenthal, unmittelbar am Rande des Moores. Der Name stammt wahrscheinlich vom mittelhochdeutschen „Weidendall”. Die reetgedeckte Kate an der Neuwiedenthaler Str. 156 gilt als der älteste bis heute erhaltene Hof des dörflichen Neuwiedenthals. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut. Im historischen Ortskern Neugraben kann man noch heute dieser dörflichen Vergangenheit nachspüren.

Erst im 19. Jahrhundert begann das allmähliche Wachstum des Ortes, bedingt durch neue Verkehrsverbindungen. 1851 erfolgte der Bau der Provinzial-Chaussee, der heutigen Cuxhavener Straße. 1881 nahm die „Unterelbe´sche Eisenbahngesellschaft” die Bahnstrecke von Harburg nach Cuxhaven in Betrieb. Die Eisenbahnanbindung machte es für Industriebetriebe lukrativ, sich in dieser Gegend anzusiedeln.

Grünkohl, motorisierte Dreiradwagen und erste Trecker

Dort wo heute die Daimler-Benz AG beheimatet ist, stand bis 1969 das Tempowerk mit einer eigenen Bahnhaltestelle. Hier wurde 1929 der dreirädrige Kleinlaster T6 hergestellt, der sich mit seinem wassergekühlten Zweitaktmotor schnell als Verkaufsschlager erwies. Beworben wurde das ideale Gefährt für Gemüse-, Milch- und Kohlenhändler mit dem Slogan: „Tempo, Tempo, Zeit ist Geld. Hast Du keinen Tempowagen, wird die Konkurrenz Dich schlagen.“ Als kleine Erinnerung an diese Zeit gibt es heute den Tempoweg in Neuwiedenthal.

Unweit vom Tempowerk machten in den 50er und 60er Jahren die Moorburger Treckerwerke gute Geschäfte. Karl Ritscher entwickelt nach dem 2. Weltkrieg im Werft- und Abwrackbetrieb seines Vaters zunächst einen Kettenschlepper und Grabenreiniger, später dreirädrige Traktoren sowie die Schlepperreihe „Multitrak“, bestens bekannt unter Oldtimerfreunden und Treckerliebhabern. 1961 würde der Betrieb verkauft und das Werksgelände diente fortan der Produktion von Drehbänken und Textilmaschinen.

Das berühmteste Produkt aus Neuwiedenthal, das auch heute noch überall käuflich zu erwerben ist, ist der Grünkohl der Marke Heinrich Lüders. Das alte Fabrikgebäude befand sich bis 1991 an der Stelle des heutigen Extra-Marktes in der Neuwiedenthaler Straße, die Felder waren in der Nähe. In Spitzenzeiten ernteten, rupften und „strippelten“ dort bis zu 200 Arbeitskräfte den Grünkohl von Hand.

Wintersportwoche am Opferberg

Die Umgebung Neuwiedenthals stellte schon Anfang des 20. Jahrhunderts ein beliebtes Naherholungsgebiet des Hamburger Bürgertums dar. Gerade durch die Eröffnung des Bahnhofs Hausbruch 1899 waren die Harburger Berge ein schnell erreichtes Ausflugsziel. Der Besitzer des damaligen Hotels am Opferberg, Mathias Pieper, wollte seinen Gästen eine ganz besondere Attraktion bieten: Als im Januar 1914 für seine geplante Wintersportwoche einfach kein Schnee fallen wollte, ließ er aus dem Harz mal eben zwei Eisenbahnwaggons voll Schnee (rund 10.000 kg) anliefern. Die letzten Kilometer wurde die kalte Fracht dann per Pferdekarren transportiert, bevor der Winterspaß losgehen konnte.

Entstehung des heutigen Neuwiedenthals

Die meisten der Häuser, die das heutige Stadtbild prägen, wurden zwischen 1959 und 1977 nach einem städtebaulichen Entwurf der Architekten Schramm und Elingius errichtet. Im Übergang von der Geest zur Marsch entstand eine Großsiedlung, die in zwei Bauabschnitten realisiert wurde. Als erstes entstand Neuwiedenthal-Süd mit rund 2.900 Wohnungen. Sechs weitgehend gleiche Nachbarschaftseinheiten gruppieren sich hier ringförmige um eine Anliegerstraße. Nach der großen Sturmflut 1962 musste die Zahl der Wohnungen erhöht werden, weshalb  nachträglich die Hochhäuser im Zentrumsbereich am Striepenweg eingeplant wurden.

In den 70er Jahren wurden nördlich der Neuwiedenthaler Straße hauptsächlich viergeschossige, verkehrsfreie Wohnhöfe sowie vier Punkthochhäuser errichtet, die insgesamt rund 10.000 Menschen neuen Wohnraum boten. Auch viele Menschen aus Altenwerder fanden hier ihr neues Zuhause. Das Besondere an Neuwiedenthal ist das weit verzweigte Fußwegenetz, mit dem man unabhängig vom Straßenraum jeden Siedlungsteil durch die Grünbereiche erreichen kann. Mit dem Ausbau der S-Bahn-Linie S3 bis nach Neugraben 1984 wurde als weiterer Meilenstein der Stadtteilgeschichte die S-Bahnstation Neuwiedenthal eröffnet. Die Anbindung nach Harburg und in die Hamburger City war damit deutlich verbessert. Gleichzeitig wurde die damit verbundene Schließung und insbesondere der Abriss des alten Bahnhofs Hausbruch von vielen Bewohnern bedauert.

Modernisierung und Quartiersentwicklung

Seit den 90er Jahren sind die in Neuwiedenthal vertretenen Wohnungsunternehmen dabei, ihren Wohnungsbestand zu modernisieren und die Qualitäten des Stadtteils weiterzuentwickeln. Mittlerweile hat sich das Gesicht der Häuser stark verändert. Zahlreiche Gebäude erstrahlen in neuen, frischen Farben, bei anderen sind die Bauarbeiten noch in vollem Gange. Viele Eingangsbereiche und Spielplätze sind neu gestaltet. Einige der vorhandenen Baukörper wurden durch ein zusätzliches Stockwerk aufgewertet, zwei Gebäude zu optisch ansprechenden Seniorenwohnanlagen umgebaut. Wärmegedämmte Fassaden helfen die Heizkosten zu senken und leisten einen Beitrag für den Klimaschutz.